An Österreichische

An Bundespräsident Dr. Heinz Fischer

Bürgermeister der Stadt Wien Dr. Michael Häupl

Präsidentin des Nationalrates Mag. Barbara Prammer

Bundesministerin für Frauenangelegeheiten Gabriele Heinisch-Hosek

Protestnote an Österreichische Regierungsbeamte und Politiker

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich schreibe, um Sie auf die absichtliche und andauernde Diskriminierung und Marginalisierung der in Wien lebenden Arabischen Frauen seitens des politischen Establishments aufmerksam zu machen. Bei diesen Frauen handelt es sich um politische Aktivistinnen, Friedensaktivistinnen, Intellektuelle, Akademikerinnen, Journalistinnen, oder einfach um private Personen.

Am 30. Juni 2009, nach einem Konzert von Marcel Khalife im Wiener Rathaus, wurden Arabische und Österreichische Männer zu einem Empfang eingeladen. Frauen, sogar die Ehefrauen von geladenen und anwesenden Gästen waren meines Wissens ausgeschlossen, was sehr klar Diskriminierung gegen Frauen ist. Dieser Fall ist bemerkenswert, weil laut meiner Information Frau Dr. Prammer, die Ihre politische Karriere und Ruf auf dem Thema der Frauenrechte aufgebaut hat, an diesem Treffen teilgenommen hat. Dies ist nicht der einzige Fall von dem ich weiß, dass Arabische Frauen ausgeschlossen wurden.

Als Frau, als Journalistin und als registriertes Mitglied der SPÖ sehe ich, dass es sich um einen klaren Fall von Frauendiskriminierung handelt. Ich konnte mit verschiedenen Arabischen Frauen sprechen, politische Aktivistinnen aber auch private Personen, die mir gegenüber ihre tiefe Sorge über die Verschlechterung des Klimas betreffend die politische Vertretung von Frauenangelegenheiten im Allgemeinen beklagten, und auch über die kontinuierliche Marginalisierung von Arabische und Moslemischen Frauen auf eine Art, die an die Grenzen der Österreichischen Gesetze und Gebräuche stößt.

Ich denke, daß jene Individuen, die mit der Zusammenstellung einer Namensliste aus dem Kreis der Arabischen Gemeinde in Wien betraut wurden, damit diese im genannten Anlaßfall, aber auch in der Vergangenheit, zu Gesellschaftlichen Anlässen mit Euren Exzellenzen eingeladen werden konnten, uns Frauen und unsere Rechte absichtlich marginalisieren, und zwar aus einer Interpretation von Religiösen Bräuchen heraus, die klar im Gegensatz zu den Bräuchen und Gesetzten von Österreich steht, laut denen Frauen als Männern gleichgestellte Personen vor Gesetz und Gesellschaft gelten. Diese Individuen, denen Sie Ihr Vertrauen geschenkt haben, haben für Einladungen zu offiziellen Gesellschaftlichen Anlässen ihre Freunde und gelegentlich auch deren Frauen, und andere ihnen nahe stehende Günstlinge genannt, um uns Arabische Frauen zu vertreten. Ich muss fragen, ob Ihnen die weitgehende Abwesenheit von Arabischen Frauen bei den offiziellen Anlässen mit der ansässigen Arabischen Gemeinde nie aufgefallen ist. Ist Ihnen bisher nie die weitgehende Abwesenheit von Arabischen Frauen bei Anlässen die für sie selber von Interessen sein sollten aufgefallen, außer etwa in einer dekorativen Rolle?

Ich schreibe Ihnen als Vertreter des Staates Österreich, um Sie auf das Thema der Diskriminierung und Ausgrenzung der Arabischen Frauen, die in Österreich leben, aufmerksam zu machen. Während wir hier leben, sollten wir nach persönlichem Vermögen an der Österreichischen Gesellschaft teilnehmen, oder mindestens danach trachten können. Mir fällt aber auf, dass Arabische Frauen systematisch ausgegrenzt und zum schweigen gebracht werden, und sie werden aus gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Aktivitäten die sie selbst belangen ausgegrenzt, genau wie das in Arabischen Ländern praktiziert wird. Bis heute werden in Wien lebende Arabische Frauen von ihren Ehemännern eingesperrt, und wenn sie sich nicht bestimmten gesellschaftlichen Vorstellungen beugen, müssen sie damit rechnen, von ihren engsten Verwandten aus „Ehrengründen“ ermordet zu werden, genau wie in jedem Dorf in Arabischen Ländern. Der erschwerende Unterschied ist der, dass diese Frauenschicksale sich hier meistens im Dunkeln abspielen, weil sie keine Verwandte oder Bekannte haben, bei denen sie sich aussprechen könnten.

Dies ist meiner Meinung so, weil diese Entwicklungen durch eine gescheiterte Politik der Integration seitens des offiziellen Österreich unterstützt wird. Wie sollen Frauen aus Arabischer Kultur und Abstammung zu einem integrierten Teil der Österreichischen Gesellschaft werden, wenn sie sogar bei symbolischen Anlässen wie einem Empfang nach einem Konzert ausgegrenzt werden, wenn sogar die Ehefrauen mancher Arabischer Diplomaten ausgeschlossen werden nur weil diese Männer sich vor der Anwesenheit von Frauen fürchten, die sie als Bedrohung ihrer Vormachtstellung sehen? Wie sollen Arabische Frauen zu einer „normalen“ Rolle in Österreich finden, wenn die einzigen Frauen die vom politischen Establishment als Vertreterinnen Arabischer Frauen akzeptiert werden, bestimmte Frauen sind, die bei Ramadan und sonst jeder Gelegenheit streng Religiös und Kopftuchbedeckt auftreten? Es gibt unter den Araberinnen in Österreich auch andere Erwartungen und andere Ansprüche als diese.

Wie kann ein Teil des politischen Establishments (und der Bevölkerung) beklagen, dass Arabische Frauen sich in der Öffentlichkeit bedecken, wenn ein anderer Teil des Establishments die Diskriminierung und Ausgrenzung von Frauen sogar bei symbolischen Anlässen wie einem Empfang unterstützt, nur aus Furcht, ihre Chauvinisten von Ehemännern zu beleidigen? Wie sollen wir Arabische Frauen über ein Österreich denken, dessen höchste Vertreterinnen ihre eigenen Usancen verschweigen, um sich so bei von ihnen selbst in der Öffentlichkeit angeprangerten Chauvinisten gefällig zu machen?

Ich möchte mit diesem Schreiben auch klar stellen, dass jene Männer, die Sie im Rathaus als Vertreter der Arabischen und Moslemischen Gemeinden in Österreich getroffen haben, keinesfalls jene Arabischen Frauen vertreten, die versuchen, aus der ihnen auferlegten Rolle auszubrechen laut der ihre Gesellschaftliche Stellung nur gering besser ist als Marktvieh. Ebenfalls vertreten uns und unsere Ansprüche jene Moslemischen Frauen nicht, die bei Ramadan und allen möglichen Anlässen demonstrativ mit Kopftuch und streng religiös auftreten, denn die Art des Auftretens lässt auf ein begrenzte Verständnis der Islamischen Religion und Bräuche seitens dieser Frauen schiessen. All diese Personen stehen nur für sich selbst, und in manchen Fällen für die Organisationen die sie unterstützen. In den seltensten Fällen arbeiten sie im besten Interesse all jener die dem Arabischen Kulturkreis zugehören.

Herzlichen Dank für Ihre Interesse,

Kawther Salam

Österreich

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