Schlusserklärung der Balkankonferenz der Islamischen Glaubensgemeinschaft

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„In aller Deutlichkeit und mit größter Schärfe verurteilen alle anwesenden religiösen Autoritäten als Teilnehmer der Konferenz die Gewaltideologie und den Terrorismus der Extremisten, die derzeit als “Daisch”, “Boko Haram” und ähnlicher Terrorgruppen Unheil und Verderben verbreiten. Ihre krassen Menschenrechtsverletzungen lassen sich mit nichts rechtfertigen. Ein krasser Missbrauch religiöser Termini und die Pervertierung religiöser Lehren muss entschieden zurückgewiesen und als solche entlarvt werden“, sagte IGGiÖ-Sprecherin Carla Amina Baghajati.

DSC_6724Baghajati fögte hinzu: „Gleichzeitig betonen alle Teilnehmer, dass es nicht genüge, diese Verbrechen allein zu verurteilen, sondern sich daran aktives Handeln anschließen müsse. Die diversen Maßnahmen in der Prävention müssen sichtbar gemacht werden. Muslime sollen durch ihr Agieren als positive Akteure wahrgenommen werden. Gleichzeitig soll ein Generalverdacht gegen Muslime zurückgewiesen werden, ebenso wie Tendenzen Muslime persönlich haftbar zu machen für Verbrechen, mit denen sie nichts zu tun haben.“

Die Konferenz wurde von hohen Vertretern der Islamischen Gemeinschaft in der EU beigewohnt. Es wurde durch das österreichische Ministerium für auswärtige Angelegenheiten, die Stadt Wien, (IGGiÖ), österreichischer Integrationsfonds, österreichische Islamische Vereinigung für die Kultur und andere Organisationen und Banken gesponsert.

Ein Publikum von Universitäten, kulturelle und akademische Kreise wohnten der Zeremonie bei. Frau Carla Amina Baghajati, IGGiÖ Sprecherin war der Vorsitzende der öffnenden Sitzungen der Konferenz.

Full Text die Schlusserklärung der Balkankonferenz der Islamischen Glaubensgemeinschaft am 11.10.2014 unten:

Diese Rohfassung gibt die wesentlichen, gemeinsam erarbeiteten Punkte wieder und wird noch in einen ausformulierten Text umgearbeitet.

Anlass

  • Historischer Kontext: enge Verflochtenheit Österreichs mit dem Balkan
  • Rolle der Balkanregion in Europa
  • In dieser Tradition Erfahrungen austauschen, gemeinsam auftreten, Situation zum Positiven verändern
  • Anknüpfend an bisherige Imamekonferenzen und ihre Standortbestimmung des Islams in Europa, die hiermit bekräftigt werden.

Besonderheiten der Balkanregion, die stärker wahrgenommen werden sollen

  • – Autochthone Muslime, die aufzeigen, dass der Islam ein Teil Europas ist, 600 jährige Geschichte, gemeinsamer Raum
  • – Vielfalt gehört zur Identität, Pluralismus ist eine Selbstverständlichkeit
  • – Erfahrung im friedlichen Zusammenleben, die nicht von kriegerischen Auseinandersetzungen völlig überdeckt werden sollen. Diese langen friedlichen Phasen haben reiche kulturelle Zeugnisse hinterlassen.
  • – Typisch für die Art den Islam zu leben und auszulegen: nie ein reduktionistischer Islam, sondern ein offener „inklusivistischer“ Islam, mit gemäßigter Rhetorik, keine literalistische, also am Buchstaben klebende Auslegung der Religion, sondern am Geist des Islams orientiert (maqasit asch-scharia)

Chancen

  • Ausstrahlen der Kultur des Zusammenlebens in gegenseitigem Respekt und Akzeptanz
  • Bewusstmachen einer muslimisch-europäischen Identität
  • Europa auch nach Osten ausrichten – Brücke in den Orient

Herausforderungen

  • Ansehen des Islams wird durch Terror und Gewaltherrschaft beschädigt mit dramatischen Folgen für Muslime
  • Zurückdrängen von Extremismus – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der Muslime Anteil haben
  • Nachhaltigkeit von Projekten erreichen
  • Wissen über Religion nimmt ab – speziell bei Angehörigen der zweiten und dritten Generation mit Migrationserfahrung – Leerraum für fundamentalistische Strömungen, die vor allem in ihrer Identität wenig gefestigten Personen in ihrem Schwarz-Weiß Denken attraktiv erscheinen

Maßnahmen

  • Gemeinsames Statement gegen Terrorismus und Extremismus der religiösen Autoritäten. Inkludiert ist der Aufruf, dass eine Verurteilung auch münden muss in einen Aktionsplan, Muslime also nicht reaktiv auf die Ereignisse wirken, sondern als aktive Akteure in der Präventionsarbeit wahrgenommen werden. Gleichzeitig Zurückweisung eines Generalverdachts gegen Muslime und eines Drucks auf sie als müssten sie sich persönlich für Verbrechen, an denen sie keinen Anteil haben, entschuldigen.

  • Bildung – Immunisierung gegen Gewaltideologien. Rolle des Religionsunterrichts an den öffentlichen Schulen hervorzuheben

  • Bildung befähigt auch zu Kritikfähigkeit und Reflexion: Ehrlichkeit in der Definition auch heikler Fragen und deren Bearbeitung, Beschreiben globaler und politischer Zusammenhänge, die die Entstehung von Extremismus fördern

  • Vertrauensaufbau durch Dialog, dabei auch der innermuslimische Dialog von entscheidender Bedeutung

  • Kooperation mit anderen IGGs der Balkanstaaten aufgrund der Rolle des Balkans für Europa unermesslich, bei Beachtung der speziellen Herausforderung, dass dies auch eine stärkere Bewusstheit für den Begriff der pluralen Identität mit sich bringt, damit Muslime mit Migrationshintergrund nicht in Verdacht stehen, sich an einer Nabelschnur zum Ursprungsland zu befinden (keine Loyalitätskonflikte).

  • Stärkung muslimischer Frauen. Förderung ihrer Partizipation in den muslimischen Institutionen, Förderung auch im Berufsleben, wo es immer noch häufig zu Diskriminierung kommt (keine Anstellung wegen Kopftuch)

  • Stärkung der Gemeinschaft, auch als Faktor in der Identitätsbildung, zu der eine Entwicklung von Verantwortlichkeit in einem Gemeinwesen gehört

  • Stärkung der Rolle der Imame: als Vorbild und Multiplikatoren ihrer Gemeinde: lebensbezogen Muslime an ihre moralische Verantwortung erinnern.

  • Begleitungsangebote für neukonvertierte Muslime, damit sie in ihrer neuen Religion gestärkt werden und zugleich bewahrt werden vor extremistischen Einflüssen

  • Kritische Analyse der Darstellung des Islams und der Muslime in den Medien – Beiträge für ein ausgewogeneres Bild und Beachtung muslimischer Terminologie. Zurückweisung von Begriffen wie „Islamfaschismus“, die ein schändlicher Versuch sind, jegliche Frustration und aus der eigenen Geschichte resultierende Komplexe dem Islam zuzuschieben

  • Rechtliche Stärkung der Muslime in ihrem Verhältnis zum Staat. Hier war Österreich immer ein Modellbeispiel in der Anerkennung seit 1912. Dieser Charakter soll auch bei der geplanten Novellierung gewahrt werden, bzw. weiterhin Vorbild für andere Staaten sein, wo die Anerkennung noch nicht verwirklicht ist. Dabei sollen der Gleichheitsgrundsatz und die Verhältnismäßigkeit durchgehend gewahrt sein.

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