IGGIÖ President: Wir lehnen jede Art von Gewalt und Extremismus ab

DSC_6624“Wir wollen in Frieden und gegenseitiger Akzeptanz zusammenleben, nicht trotz, sondern wegen unserer Religion. Wir lehnen jede Art von Gewalt und Extremismus ab, egal wie sie heißen und von welcher Seite sie kommen, sagte IGGiÖ-Präsident Dr. Fuat Sanac auf der Konferenz “Islam auf dem Balkan”.

An der Eröffnung der Konferenz werden unter anderem Bundespräsident Heinz Fischer, IGGiÖ-Präsident Fuat Sanac, Prof. Dr. Enes Karic teilnehmen. Zentrales Thema soll ein Austausch über die Situation der Muslime am Balkan sein, auch um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten,

Dr, Sanac fögte hinzu: „Denn wir denken daran, dass unser  Prophet  (F.s.m.) uns gelehrt hat, die Menschenwürde und Religionsfreiheit einer jeden Person zu respektieren und zu schützen. Wir sollen uns ein Beispiel daran nehmen!“

„Wir sind also hier, um gemeinsam  zu stehen zu den Werten, die uns verbinden.“
„Es ist eine Gelegenheit, gemeinsam in die Zukunft zu blicken.“

Dr. Sanac sagte: „Daraus können wir nur gegenseitig profitieren.”; Menschenrechte und Religionsfreiheit jedes Menschen seien zu schützen. Die Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS), die in Syrien und im Irak Gräueltaten gegen Andersgläubige verübt, nannte Sanac in diesem Zusammenhang nicht namentlich.“

Sanac hat die Handlungen der Regierung im neuen Islamischen Gesetz kritisiert. Er sagte: “Die letzten Irrungen in manchen muslimischen Ländern hätten leider auch in Österreich ihre Auswirkungen gezeigt und einige Menschen in Österreich verunsichert.”

Sanac verwies auf eine Studie, wonach die Zahl der in Europa lebenden Muslime auf mehr als 20 Millionen geschätzt werde. “Zur Lage der MuslimInnen in der Europäischen Union wird die Zahl der in Europa lebenden Muslime auf mehr als 20 Millionen geschätzt. Wir müssen über die Probleme und deren Lösungen reden – die sich in den einzelnen Ländern teilweise verschieden darstellen.“

DSC_6609„Die Präsenz der MuslimInnen in Europa wirft Fragen auf. Schon 2003 hat die erste europäische Imamekonferenz die Kompatibilität des Islams mit den Werten von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Menschenrechten unmissverständlich festgestellt. Das ist wichtig für das gegenseitige Vertrauen, dem dann auch negative Ereignisse von außen nichts anhaben können.“

Die Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) bringt am Freitag und Samstag hochrangige Vertreter des Islam aus der Balkanregion zu einer Konferenz in Wien zusammen.

An der Konferenz im Wiener Hotel Hilton nehmen die Großmuftis Serbiens, Kroatiens, Rumäniens, Montenegros, Mazedoniens und des Sandschak (mehrheitlich muslimische Region in Serbien) teil. Aus Bosnien-Herzegowina kommt Husejin Smajic, Stellvertreter des Oberhauptes der bosnischen Muslime, des Reis ul-Ulema Husein Kavazovic. Aus der Türkei reist Mehmet Görmez, Präsident der Religionsbehörde (Diyanet), an. Auch aus Albanien, Ungarn, Slowenien, dem Kosovo und Bulgarien sollen hochrangige muslimische Vertreter nach Wien kommen.

Die Konferenz wurde von hohen Vertretern der Islamischen Gemeinschaft in der EU beigewohnt.
Es wurde durch das österreichische Ministerium für auswärtige Angelegenheiten, die Stadt Wien, (ICCiÖ), österreichischer Integrationsfonds, österreichische Islamische Vereinigung für die Kultur und andere Organisationen und Banken gesponsert.

Ein Publikum von Universitäten, kulturelle und akademische Kreise wohnten der Zeremonie bei.
Frau Carla Amina Baghajati, IGGiÖ Sprecherin war der Vorsitzende der öffnenden Sitzungen der Konferenz.

Full Text der Rede von Dr.  folgt unten:

Eröffnungsrede für Balkankonferenz
10.10.2014 – Dr. Fuat SANAC

وَلْتَكُن مِّنكُمْ أُمَّةٌ يَدْعُونَ إِلَى الْخَيْرِ وَيَأْمُرُونَ بِالْمَعْرُوفِ وَيَنْهَوْنَ عَنِ الْمُنكَرِ ۚ وَأُولَـٰئِكَ هُمُ الْمُفْلِحُونَ

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Erbarmenden.

„Aus euch soll eine Gemeinschaft von Leuten werden, die zum Guten aufrufen, gebieten, was recht ist, und verbieten, was verwerflich ist. Denen wird es wohlergehen.“ (Q: 3:104)

Sehr geehrter
• Herr Bundespräsident Dr. Fischer
• Herr Univ. Prof. Adamovich
• Sehr geehrte Ehrengäste aus dem In- und Ausland
• Würdenträger der Religions-und Bekenntnisgemeinschaften
• Exzellenzen, Vertreter des diplomatischen Corps
• Sehr geehrte Vertreter von Kultur- und Außenministerium
• Obmänner, Obfrauen und Repräsentanten der Vereine
• Mitglieder der IGGiÖ!

Ich begrüße Sie alle sehr herzlich und heiße Sie alle willkommen!

Willkommen in Österreich!
Bitte, fühlen Sie sich hier wie zu Hause! Sie sind in Österreich zu Hause, denn – wie es so schön in Erinnerung der österreichischen Geschichte heißt: In Österreich fängt der Balkan an! Alle ethnischen und religiösen Gruppierungen aus den Balkan Ländern leben hier in Österreich.

  •  Es ist mir eine große Freude, und Ehre als Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich anlässlich dieser Balkan-Konferenz vor Ihnen zu stehen.
  •  Zunächst zum Anlass dieser Konferenz: Laut dem im März 2005 veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation, „International Helsinki Federation for Human Rights (IHF)“ zur Lage der MuslimInnen in der Europäischen Union wird die Zahl der in Europa lebenden Muslime auf mehr als 20 Millionen geschätzt. Wir müssen über die Probleme und deren Lösungen reden – die sich in den einzelnen Ländern teilweise verschieden darstellen.
  •  Die Präsenz der MuslimInnen in Europa wirft Fragen auf. Schon 2003 hat die erste europäische Imamekonferenz die Kompatibilität des Islams mit den Werten von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Menschenrechten unmissverständlich festgestellt. Das ist wichtig für das gegenseitige Vertrauen, dem dann auch negative Ereignisse von außen nichts anhaben können.
  •  Muslime in den Balkanländern erinnern uns daran, dass Islam in Europa nicht erst seit der Zuwanderung der 60er Jahre eine Tatsache ist.
  •  Der bisherige Glaube, die Zuwanderung durch restriktive Regelungen steuern zu können, erwies sich als nicht zukunftsfähiges Konzept und scheiterte an der europäischen Wirklichkeit.
  •  Die Länder auf dem Balkan, die seit Jahrhunderten mit muslimischen Minderheiten zusammenlebten, sind unter diesen neuen Verhältnissen gezwungen die Stellung der Muslime in ihren Gesellschaften neu zu definieren. Die letzten Ereignisse zwingen uns zu einer intensiven und gemeinsamen Aufklärung insbesondere gegen Extremismus und vor allem zur Stärkung der großen Mehrheit der Muslime, die ihren Glauben treu zu dessen eigentlichem Kern leben.
  •  Unter den besonderen Bedingungen des Balkans kommt dem Dialog unter den Religionen und der Erziehung muslimischer Kinder in diesem Prozess eine besondere Bedeutung zu.
  •  Islamische Gemeinschaften auf dem Balkan haben die Aufgabe, den Muslimen diesen Wandel deuten zu helfen, sodass eine europäische Identität in einer säkularen, pluralistischen Gesellschaft in einem offenen Dialog mit der eigenen Religion und Kultur möglich sein wird.
  •  In diesem Prozess kommt den religiösen Gesellschaften und Gemeinden auf dem Balkan eine besondere Bedeutung zu, um die Fragen zu beantworten:

– Wie können wir unsere Kinder vor Extremismus und den Extremisten schützen?

– Welche Probleme und Fragen fordern heute das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen auf dem Balkan heraus und wie können die Religionsgemeinschaften zu deren Bewältigung beitragen?

– Was können die Religionsgemeinschaften zur Herausbildung und Etablierung einer Identität der Muslime in Europa beitragen, bei der es zusammengehört, sich gleichzeitig muslimisch und europäisch zu begreifen?

– Inwieweit kann eine offene Islam-Auffassung zur Überwindung von Traditionen, die sich mit der Menschenwürde und mit dem Islam nicht vereinbaren lassen, beitragen?

– Wie können wir uns vernetzen und uns gegenseitig helfen?

  • Meine verehrten Damen und Herren!
     Seit mehr als hundert Jahren ist der Islam in Österreich öffentlich anerkannt. Das verdanken wir der speziellen Geschichte des Engagements der Donaumonarchie auf dem Balkan.
  •  Dadurch konnte sich eine Art institutionalisierter Dialog entwickeln, mit Hilfe dessen sich das Zusammenleben vom Miteinander immer mehr zum Füreinander gestaltet.
  •  Muslime werden in ihrer Loyalität zum Staat Österreich bestärkt, indem dieser Staat und sein säkulares Kooperationsmodell ihnen Entfaltungsmöglichkeiten garantiert.
  •  Und letztendlich sind das Islamgesetz und das österreichische Modell, mit dem Islam umzugehen, auch ein Hinweis und ein Prüfstein dafür, wie man mit einer Minderheit umgeht. Denn homogene Kulturen gibt es im Zeitalter der Globalisierung nicht mehr und wird es vermutlich auch nie wieder geben.
  •  Vor über hundert Jahren wurde dieses Gesetz beschlossen. Seit seinem Inkrafttreten hat das Islamgesetz seinen integrativen Einfluss auf die muslimische Gemeinschaft gezeigt. Sowohl damals als auch heute empfinden wir Muslime das Islamgesetz als eine hohe Form von Anerkennung und Akzeptanz.
  •  Dieses Gesetz stellt einen Grundstein dar, auf dem wir ein Haus gebaut haben: Nämlich, die IGGiÖ. Ein Haus des Friedens, des gegenseitigen Verständnisses, der Vielfalt auf Basis von Toleranz und Respekt.
  •  Seit Ihrer Gründung hat sich die IGGiÖ stets weiterentwickelt und durch ihren Einsatz die Rolle als Bindeglied zwischen den Muslimen und den staatlichen Institutionen befestigt und gleichzeitig die Beziehung zu den anderen Religionsgemeinschaften gepflegt.
  •  Die Zusammenarbeit zwischen der islamischen Glaubensgemeinschaft und den Behörden, bis vor kurzer Zeit, war immer getragen vom Geist des Respektes, der Bemühung, aufeinander zuzugehen, miteinander Lösungen zu finden.
  •  Die letzten Irren und Wirren in manchen muslimischen Ländern haben leider auch in Österreich ihre Auswirkungen gezeigt und einige Menschen in Österreich verunsichert.
  •  Mein Appell an dieser Stelle an alle ist: Vernunft und Besonnenheit!
  •  Wir sind mit dem Entwurf des Islam-Gesetzes nicht einverstanden. Er wurde ohne eine Abstimmung mit der muslimischen Basis und mit neu aufgenommenen Verschärfungen präsentiert. Es muss im gemeinsamen Interesse liegen, dass Prinzipien wie der Gleichheitsgrundsatz und die Verhältnismäßigkeit durchgehend berücksichtigt werden. Denn nur so kann die positive Tradition der Anerkennung des Islams, die Österreich auch auswärts zum Modellland im Umgang mit dem Islam gemacht hat, fortgeführt werden.
  •  Jetzt aber wird der Gleichheitsgrundsatz mehrfach verletzt:
    – Beim Verbot finanzieller Unterstützung aus dem Ausland,

beim Versuch ausländische Imame aus dem Land draußen zu halten,
bei der mangelnden Mitsprache der IGGÖ bei der Bestellung von Lehrpersonal an der Universität,
beim Fehlen eines Schweigegebotes für Imame und SeelsorgerInnen parallel zu jenem der Priester, Pfarrer und Rabbiner,
bei der Verworrenheit der Zukunft der muslimischen Vereine.

Derartiges findet sich bei keiner anderen anerkannten Religionsgesellschaft! Daneben wirkt ein Unterton von Misstrauen für viele Muslime verletzend.

Daher ist in den kommenden Wochen die Gelegenheit zu nutzen, diese auch verfassungsrechtlich bedenklichen Schieflagen des Entwurfes zu bereinigen!

Nun zurück nochmal zu dieser „Balkan- Konferenz“:

  •  In einer Zeit, in der oftmals Islam mit Phänomenen von Gewalt, Intoleranz und Rückständigkeit assoziiert wird, setzen wir heute mit dieser Konferenz auch ein Zeichen:
  •  Wir als Muslime wissen, dass unsere Religion uns befiehlt, Vielfalt als gottgewollt zu respektieren und daraus den Auftrag abzuleiten einander „kennenzulernen“. Daraus können wir nur gegenseitig profitieren.
  •  Wir wollen in Frieden und gegenseitiger Akzeptanz zusammenleben, nicht trotz, sondern wegen unserer Religion. Wir lehnen jede Art von Gewalt und Extremismus ab, egal wie sie heißen und von welcher Seite sie kommen.
  •  Denn wir denken daran, dass unser Prophet (F.s.m.) uns gelehrt hat, die Menschenwürde und Religionsfreiheit einer jeden Person zu respektieren und zu schützen. Wir sollen uns ein Beispiel daran nehmen!
  •  Wir sind also hier, um gemeinsam zu stehen zu den Werten, die uns verbinden.
     Es ist eine Gelegenheit, gemeinsam in die Zukunft zu blicken.
     Wir als Muslime in Österreich wünschen uns eine Zukunft, in der wir mit anderen leben und uns mit anderen verständigen können.
     Wir wünschen uns eine Zukunft, in der wir zum gemeinsamen Wohl aller Mitbürgerinnen und Mitbürger beitragen können.
     Eine Zukunft, in der wir bereit und fähig sind, für eine positive Entwicklung unseres Landes unseren Beitrag leisten können.
     Wir wünschen uns, dass wir auch in Zukunft in der Lage sein werden, weiterhin die Religion zu lernen, zu lehren um durch das Wissen zu einer friedlichen Koexistenz beizutragen.
     Um diese Ziele zu erreichen, brauchen wir die Bereitschaft, den Weg zu ebnen, Institutionen zu schaffen, durch die das möglich ist.

 Besonders wichtig ist es dabei, folgende Maßnahmen einzuleiten:
1. Die Novellierung des Islamgesetzes von 1912:
Das ist eine Notwendigkeit, um den veränderten Bedürfnissen der Muslime gerecht zu werden. Aber nicht gegen den Willen der Muslime, sondern mit Muslimen. Denn wir sind ein Teil dieser Gesellschaft und wollen nur als gleichberechtigte Bürger/innen in der Republik Österreich leben, nicht mehr und nicht weniger.

2. Islamische Theologische Fakultät und Imame-Ausbildung in Österreich:
In einem Land, in dem mit Stolz das 100-Jährige Jubiläum der Anerkennung des Islamgesetztes mit der Beteiligung unseres Bundespräsidenten Herrn Dr. Fischer und mit der Unterstützung der Regierung gefeiert wurde, darf eine islamische Ausbildung nicht fehlen. Aber diesbezüglich brauchen wir auch eine Regelung, die sich etwa an jener im Protestantengesetz orientiert.

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass wir gemeinsam diesen Weg weitergehen, und versichere Ihnen, dass die IGGiÖ auch in der Zukunft alles darauf setzen wird, dass ihre Tätigkeiten von folgenden Prinzipien geleitet werden:
• Der Weg der Mitte
• Der Weg des Dialogs
• Der Weg der Bildung
• Und der Weg der Integration durch Partizipation.
• Ablehnung jeder Art von Extremismus und Gewalt.

Mit dieser Gelegenheit bedanke ich mich noch einmal bei unserem Bundespräsidenten Herrn Dr. FISCHER für seine Beteiligung.

Bei unserem Bundesminister KURZ und unserem Bürgermeister Herrn Dr. HÄUPL und Herrn Mag. Wolf, Leiter des Österreichischen Integrationsfonds für die finanzielle Unterstützung.

Ich bin auch dankbar unseren Sponsoren Vakif Bank und Deniz Bank.
Unseren Hilfsorganisationen: ATIB, IFW, ATF, UIKZ, IRG-W, IZBA, Union Albanischer Muslime.

Ich danke ebenfalls unserem Jugendrat der IGGiÖ für die aktive Unterstützung bei dieser Organisation.

Aber mein besonderer Dank geht an die Verantwortlichen dieser Veranstaltung, Carla Amina Baghajati, Edina Rifatbegovic und Yilmaz Pece, die die ganze Veranstaltung organisiert und koordiniert haben.

Und Ihnen allen, meine verehrte Damen und Herren für Ihre Anwesenheit.

Ich wünsche Ihnen noch einen guten, angenehmen Abend.

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